Franchise-Aktien – Warum ich in Ketten investiere

Franchise-Aktien – Warum ich in Franchise-Ketten investiere

Franchise Unternehmen haben in meinem Depot einen besonderen Platz. Ich kaufe diese Aktien sehr gerne, weil Franchise-Aktien für mich in der Regel leicht verständlich sind und sie finanziell enorm lukrativ sein können. Doch warum ist das so und warum solltest du dich mit diesem Thema beschäftigen? In diesem Beitrag möchte ich dir meine Meinung dazu mitgeben.

Was sind überhaupt Franchise-Aktien

Mit Franchise-Aktien meine ich die Aktien von Unternehmen, die ihr Geld über ihr erfolgreiches Franchise-Modell verdienen. Der Begriff Franchising (Wikipedia) kommt aus dem Verkauf. Beim Franchise stellt der Franchisegeber einem Franchisenehmer ein fertiges Konzept, gegen Entgelt, zur Verfügung.

Bei erfolgreichen Konzepten führt dies zu einer klassischen Win-Win-Situation, da der Franchisenehmer ein fertiges Konzept verwenden und umsetzen kann ohne dieses selbst entwickeln und vermarkten zu müssen. Damit fallen viele Kosten weg, die eigentlich vor Start der Unternehmung anfallen würden.

Im Gegenzug erhält der Franchisegeber eine Umsatzbeteiligung. Häufig gehört dem Franchisegeber auch die Immobilie, die vom Franchisenehmer genutzt wird. In diesem Fall sind die Mieten in der Regel abhängig vom Umsatz. Es gibt aber auch Modelle, wo der Franchisenehmer eigene Immobilien besitzt.

Beispiele

Klassische Beispiele von erfolgreichen Franchise-Ketten sind McDonalds, Starbucks, aber auch andere Anbieter, wie Wal-Mart. Die Performance dieser Ketten zeigt anschaulich, wie attraktiv diese Modelle sein können. Zudem gehören die großen Franchise-Ketten zu den solidesten Dividendenzahlern. Aber Bilder sagen mehr als tausend Worte:

McDonalds Chart vs. S&P500
Starbucks Chart vs. S&P500

Im weiteren Sinne könnte man auch Firmen, wie Visa und Mastercard als “Franchise” bezeichnen. Auch die Performance dieser Titel spricht für sich.

Warum Franchise-Ketten so attraktiv für Investoren sind

Für mich sind Franchise-Aktien eine sehr einfache Art und Weise, planbare Wertsteigerungen am Aktienmarkt zu erzielen. Warum möchte ich dir in diesem Kapitel erklären.

Geschenktes Wachstum (hohe Skalierbarkeit)

Das Geschäftsmodell ist enorm lukrativ für Investoren. Der Grund dafür ist relativ simpel. Erfolgreiche Franchise-Ketten können ihre Erträge über Jahrzehnte stetig steigern, indem sie mit dem Geld, das sie verdienen, neue Filialen eröffnen. McDonalds hat beispielsweise über 37.000 Filialen weltweit (Tendenz immer noch weiter steigend).

Aus Sicht eines Unternehmers ist dies enorm attraktiv, denn das Geld kann problemlos im Unternehmen reinvestiert werden, um die Erträge zu steigern. Die Aktien dieser Unternehmen stellen deshalb wahre Zinses-Zins-Maschinen dar.

Deshalb sind viele Franchise-Ketten für langfristige Anleger optimal geeignet. Das Geld vermehrt sich innerhalb des Unternehmens mit hohen Renditen. Der Anleger muss nix tun, außer warten.

Die Produkte sind häufig nicht besonders wichtig für den Unternehmenserfolg

Viele Anleger argumentieren, dass die Produkte einiger Franchise-Ketten schlecht seien und deshalb ein Investment keinen Sinn macht. Natürlich kann man dieser Meinung sein und wenn man etwas nicht gut findet, sollte man es auch nicht unterstützen.

Allerdings muss man auch feststellen, dass die Produkte für den Unternehmenserfolg relativ unerheblich sind. Gute Beispiele dafür sind McDonalds oder Starbucks. Sicherlich stellt McDonalds keine guten Burger her. Sie sind auch alles andere als günstig (eigentlich sogar schweineteuer). Das gleiche kann man für Starbucks feststellen. Der Kaffee ist vermutlich weder besonders gut, noch günstig. Wobei diese Argumente auch eher subjektiv sind.

Für den Erfolg des Geschäftsmodells sind allerdings nicht die Produkte entscheidend, sondern etwas ganz anderes:

Der Erfolg eines Franchise-Modells hängt maßgeblich von der Win-Win-Situation zwischen Franchisenehmer und Franchisegeber ab. Wenn die Franchisenehmer unterm Strich gut wirtschaften können, indem sie auf das fertige System des Franchisegebers zurückgreifen können, wird es immer Unternehmer geben, die diese Modelle betreiben. Je größer der Nutzen für den Franchisenehmer ist, desto attraktiver ist das Modell dabei.

Umgekehrt profitiert der Franchisegeber mit steigendem Erfolg und Anzahl seiner Franchisenehmer. Solange diese Beziehung für beide Seiten profitabel ist, funktioniert das wirtschaftliche Konstrukt und es stellen sich schöne und steigende Gewinne für die Aktionäre ein.

Deshalb sollte man ein Franchiseunternehmen nicht nach seinen Produkten bewerten (denn die können bewiesenermaßen schlecht und teuer sein), sondern hinterfragen, ob die Win-Win-Situation gegeben ist und wie sich dieser Zustand entwickeln könnte.

Denke nicht wie ein Konsument, sondern wie ein Unternehmer!

Wettbewerbsvorteile durch Marken und Immobilien

Franchiseketten können häufig starke Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten entwickeln und über Jahrzehnte behaupten. Diese entstehen in der Regel aus dem steigenden Bekanntheitsgrad der vermarkteten Marke oder Immobilienbesitz.

Ein gutes Beispiel dafür ist McDonalds. Das Unternehmen besitzt Immobilien in den besten Lagen der Welt (z.B. in Bahnhöfen, Flughäfen oder Einkaufsstraßen). Diese Immobilien werden an Franchisenehmer vermietet. Aufgrund der guten Lage und der hohen Markenbekanntheit weiß ein Franchisenehmer bereits vorher, das er auf stabile Umsätze bauen kann. Er muss keine Arbeit in den Aufbau einer eigenen Marke stecken und keine Produkte entwickeln, produzieren oder ein Vertriebsnetzwerk errichten. Deshalb ist ein solches Geschäft nur minimalen Risiken ausgesetzt. Der eigentliche Nachteil entsteht für den Franchisenehmer erst dann, wenn die Umsätze groß genug sind. Da die Gebühren des Franchise-Modells in der Regel vom Umsatz abhängen, steigen diese mit dem Umsatz an.

Dies ist den Franchisenehmern in der Regel egal, da immer noch genügend Gewinn übrig bleibt.

Hier wird auch klar, weshalb die Produkte nur sekundär wichtig für den Unternehmenserfolg sind. Was würde denn passieren, wenn McDonalds von heute auf morgen keine Burger mehr verkaufen würde? Sicherlich wäre das kurzfristig schlecht für das Unternehmen und besonders für die Franchisenehmer. Allerdings könnte McDonalds auf geändertes Verbraucherverhalten reagieren und seine Produkte anpassen oder (im schlimmsten Fall) seine Immobilien einfach an andere Leute vermieten. Immobilien in Top-Lagen sind immer zu Geld zu machen.

Diversifiziertes Geschäftsmodell

Durch die stetig steigende Anzahl von Lokalitäten, ist ein Geschäftsmodell eines Franchisenehmers häufig stark diversifiziert. Die Firma hängt weder von einzelnen Kunden, noch vom Erfolg einzelner Filialen ab. Wenn die Filialen weltweit verteilt sind, ist das Geschäftsmodell auch über Länder und Kulturen diversifiziert. Hierdurch bietet das Unternehmen eine relativ hohe Sicherheit für Investoren.

Vorsicht ist geboten, wenn die Firma noch relativ klein ist (wie z.B. Vapiano) und nur lokal aktiv ist. Hier würde ich tendenziell warten, bis eine kritische Masse an Filialen profitabel ist, die dann das Wachstum in viele weitere Orte und Länder finanzieren können.

Kriterien für gute Franchise-Investments

Es gibt einige Kriterien, die ich bei Franchise-Ketten für wichtig halte. Diese schauen wir uns nun zusammen an.

Weiche Faktoren

Einige weiche Faktoren haben wir bereits besprochen. Hier jedoch nochmal eine Auflistung von möglichen Punkten, die man sich ansehen kann:

  • Bestand an eigenen Immobilien (hier gilt, je höher der Bestand an eigenen Immobilien in Top-Lagen ist, desto besser). Hierzu findet man im Geschäftsbericht einige Informationen. Vorsichtig wäre ich, wenn die Firma kaum eigene Immobilien besitzt. Es gehört meiner Meinung nach auch zu einem Erfolgsrezept einer Firma, das sie den Franchisenehmern Immobilien anbietet, die für die Zielgruppe vielversprechend sind.
  • Produkte sind nicht entscheidend für den Erfolg des Unternehmens. Trotzdem kann man als Investor wählerisch sein, an welchen Firmen man sich beteiligt. Ich kaufe gerne Titel, die ich selbst konsumiere oder deren Konzept ich unterstützen möchte. Dieser Punkt ist optional und nicht zwingend notwendig, um sich an einer profitablen Franchisekette zu beteiligen.
  • Weitere Wachstumschancen und eine entsprechende Strategie. Hierzu sollte man vom Management Informationen erhalten (z.B. im Geschäftsbericht). Hier kann man sich z.B. die übergeordnete Strategie anschauen oder in alten Geschäftsberichten schauen, ob das Management seine eigenen Ziele in der Vergangenheit erreicht hat (wurden die geplanten Eröffnungen auch umsetzt?).

Kennzahlen für Franchise Aktien

Neben den weichen Kriterien gibt es einige Merkmale, die man bei guten Franchise-Aktien finden kann:

  • Hohe Kapitalrenditen. Profitable Franchiseketten können ihre Gewinne und Cashflows für die Eröffnung von weiteren Filialen verwenden. In der Regel sollten sich diese Filialen innerhalb von 3-5 Jahren vollständig refinanzieren. Auch diese Informationen findet man im Geschäftsbericht. Wer nicht so tief suchen möchte, kann dies auch an der Eigenkapitalrendite oder dem Return on Capital Employed (ROCE) erkennen. Diese Kennzahl sollte deutlich über 15% betragen.
  • Niedrige Schulden. Das Wachstum sollte vollständig aus dem eigenen Geschäft finanziert werden können. Das ist bei hochprofitablen Ketten kein Problem. Dies erkennt man hier auch in Form einer niedrigen Verschuldung. Sollte die Verschuldung nicht niedrig sein, dann hilft ein Blick in die Kapitalflussrechnung. Was wurde mit den Schulden gemacht? Wurde Wachstum eingekauft oder nur Dividenden und Aktienrückkäufe finanziert. Das operative Geschäft sollte nicht vom Fremdkapital abhängig sein.
  • Hohes Wachstum (Umsätze, Cashflows, Gewinne und Buchwert) und ein hohes Kurs-Buchwert-Verhältnis. Tatsächlich wird bei Franchiseketten relativ wenig Kapital benötigt, um Wachstum zu erzeugen. Deshalb sollte eine Firma auch bewiesen haben, dass sie ordentlich wächst. Da wenig Kapital benötigt wird, um Wachstum zu erzeugen, haben erfolgreiche Firmen in der Regel ein hohes Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Das liegt einfach daran, dass sich relativ wenig Kapital im Unternehmen befinden muss, um hohe Erträge zu erwirtschaften.
  • Die Anzahl der Filialen. An einer stetig steigenden Anzahl von Filialen erkennt man, dass das Unternehmen tendenziell weiter wächst und so eine stetig steigende Ertragslage erzeugen kann.
  • Zu guter Schluss noch die sehr wichtigen „Vergleichbaren Ladenumsätze“ (Englisch Comparable Store Sales). Diese sagen aus, wie sich der Umsatz in den Alt-Filialen entwickelt hat. Kritisch wird es, wenn diese über einen längeren Zeitraum unterhalb der Inflation oder gar negativ sind. In diesem Fall wäre das Geschäftsmodell rückläufig.

Risiken für Aktionäre

Natürlich haben auch Franchise-Ketten für Aktionäre Risiken. Ein gutes Beispiel dafür ist Vapiano:

 

Vapiano Chart

Das Unternehmen ist allerdings auch noch nicht profitabel, hoch verschuldet und daher enorm risikoreich. Trotzdem zeigt das Beispiel, das auch hier Vorsicht geboten ist.

Konkret ergeben sich natürlich aus dem Geschäftsmodell Risiken. Beispielsweise sind einige Unternehmen vom Wandel zum Onlinehandel betroffen und kämpfen mit der Digitalisierung. Andere Firmen sind von Lebensmittelskandalen betroffen oder haben rückläufige Comparable Store Sales.

Das größte Risiko ist hierbei, dass die Filialen ggf. immer weniger Kunden anlocken, da Einkaufszentren etc. immer mehr durch Onlineverkäufe substituiert werden. Doch auch hier ist zwischen Firmen zu unterscheiden, die diesen Trend für sich nutzen, anstatt die „Opferrolle“ einzunehmen.

Insgesamt lassen sich Risiken, an den genannten Kennzahlen, gut erkennen. Diese zeigen in der Regel klar nach unten, wenn sich das Unternehmen schlecht entwickelt. Zudem gilt wie immer, kaufe Aktien am besten nur, wenn du eine Margin of Safety beim Kaufpreis bekommst.

Fazit zu Franchise-Aktien

Ich persönlich liebe Franchise-Aktien, weil ich das Geschäftsmodell leicht verständlich finde und mich dabei wohl fühle, diese Unternehmen zu bewerten. Aktuell habe ich Starbucks, Ulta Beauty und Chipotle Mexican Grill im Depot. Ich halte gerne weiter Ausschau nach attraktiven und günstigen Titeln. Viele große Titel kann man häufig auch über einen Wertpapiersparplan kaufen, wenn man unsicher ist, was den Kaufpreis angeht.

 

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