Die wichtigste Eigenschaft: Warum Geduld bares Geld wert ist!

Ich kann mich noch gut an meine Anfänge beim Investieren erinnern. Ich wollte immer, das meine Aktien schnell steigen und bin bei Verlusten schnell nervös geworden.

Heute ist Geduld meiner Ansicht nach die wichtigste Eigenschaft, die man als Privatanleger mitbringen muss. Warum ist das so?

Geduld als Eigenschaft (Bildquelle: https://www.pexels.com/photo/amazing-balance-blur-boulder-312839/ Autor: Nadhu Kumar)

Geduld ist Dein größter Wettbewerbsvorteil

Kennst Du das Dilemma der großen Marktteilnehmer (Fondsmanager, Versicherungen, Pensionskassen etc.)? Diese Marktteilnehmer verwalten das Geld anderer Menschen. Sie verdienen in der Regel mehr Geld, wenn sie höhere Summen verwalten (Gebührenmodelle).

Das führt in der Praxis dazu, dass sie nicht das Ziel haben, besonders gute Anlageergebnisse zu erzielen, sondern möglichst viel Kapital zu sammeln! Weil z.B. bei Fonds die Performance zu anderen Fonds oder dem breiten Markt tagesscharf gemessen werden kann, haben diese Marktteilnehmer enormen Druck permanent mit dem Markt oder andere Fonds mitzuhalten.

Schlechte Performance kostet Kunden

Deshalb können es sich diese Marktteilnehmer in der Regel nicht leisten, über eine längere Zeit schlechter abzuschneiden, als die Konkurrenz. Die Kunden würden sofort wechseln und ihr Kapital zu einem anderen Vertreter bringen.

Das führt dazu, dass diese Marktteilnehmer nicht (wie wir) in Jahren denken, sondern sehr kurzfristig im Bereich von Wochen, maximal Monaten.

Kurzfristiges Denken führt zu schlechter langfristiger Performance

Es ist schlicht nicht möglich, permanent und in jedem Quartal bessere Entscheidungen zu treffen, als der Markt. Doch genau das versuchen die großen Fondsgesellschaften. Das Ergebnis ist ein relativ aktiver Handelsstil, der viele Gebühren und viel Analyseaufwand benötigt.

Noch größer ist jedoch das folgende Problem:
Stell Dir einmal vor, ein Fondsmanager wüsste genau, dass eine Aktie, wie Volkswagen (nach dem Dieselskandal) auf Sicht von Jahren eine sehr attraktive Anlagerendite verspricht.  Zu dem Kurs (damals deutlich unter 100€) ist ein Verlust auf langfristige Sicht nahezu ausgeschlossen.

Allerdings hat die Aktie in wenigen Monaten über 60% an Wert verloren und die Presse ist extrem negativ. Auch ist nicht absehbar, wie lange sich die Krise noch hinzieht.

Würde ein Fonds die Volkswagen Aktie jetzt kaufen, muss er damit rechnen, das die Aktie über Monate ggf. nicht gut abschneidet oder sogar noch weiter fällt. Zudem wären die Kunden sicher nicht begeistert, wenn ihr Fonds solche Aktien kaufen würde.

Das Resultat daraus ist: Egal, wie attraktiv eine Investition langfristig wäre, wenn sie kurzfristig nicht performen wird, dann kann ein Fondsmanager diese Titel nicht kaufen. Er würde sich der Gefahr aussetzen, das sein Fonds monatelang unterperformt und somit Kunden und letztlich seine Einnahmen verloren gehen.

Geduld: Vielleicht Dein größter Vorteil als Privatanleger

Was ist nun mit uns Privatanlegern? Wir haben keine Kunden, uns muss auch kein Monats- oder Quartalsabschluss Sorgen bereiten und uns interessiert eigentlich nur, was über viele Jahre aus unserem Geld werden kann.

Wir können Aktien kaufen, von denen wir auf lange Sicht davon ausgehen können, das hier eine ordentliche Rendite herauskommt.

Langfristigkeit zahlt sich aus

Beim Investieren ist es mir relativ egal, ob ich jeden Tag steigende Aktien habe oder nicht. Mich interessiert viel mehr, wie sich mein Geld über Jahre und Jahrzehnte vermehrt  und wie ich mich davor schützen kann, Fehltritte zu vermeiden.

Damit agieren wir völlig anders, als z.B. Trader oder große Marktteilnehmer. Um es mit einer Metapher zu sagen:

„Wir treten nicht in diesem Sport gegen die großen Marktteilnehmer an, indem wir die gleiche Strategie mit einer schlechteren Ausbildung und Datenlage umsetzen. Das wäre in etwa so, als würden wir mit unserem Regionalverein in der Championsleague mitspielen. Wir agieren völlig anders und betreiben nicht mal den selben Sport“

Wir können kaufen, was andere wegen internen Regeln oder Angst vor Kundenverlust verkaufen müssen

Wenn andere Marktteilnehmer Aktien verkaufen müssen, weil sie vermutlich einige Zeit nicht performen, dann können wir diese Titel ganz gemütlich einsammeln und die Zeit für uns arbeiten lassen. Es muss dann nicht nächste Woche direkt nach oben gehen. Mir reicht es aus, wenn ich über 5-10 Jahre mit einer überdurchschnittlichen Rendite rechnen kann.

Die Wertsteigerung findet im Unternehmen statt

Wenn wir auf qualitativ-hochwertige Firmen setzen, dann verzinst sich unser Kapital im Unternehmen und wird so jedes Jahr mehr wert. Damit wir von dieser Entwicklung profitieren können, müssen 2 Dinge gegeben sein:

  1. Das Kapital wird im Unternehmen anständig verwaltet und vermehrt.
  2. Wir müssen der Firma Zeit geben, unser Kapital zu vermehren.

Punkt 1 können wir anhand von fundamentalen Daten ablesen. Zudem spielt auch unser Kaufpreis eine Rolle, je niedriger dieser ist, desto mehr erhalten wir als Gegenwert, wenn wir eine Aktie kaufen. Wer damit unsicher ist, sollte sich dem Thema Wertpapiersparplan widmen.

Punkt 2 haben wir selbst in der Hand, wenn wir uns richtig verhalten und die Zeit lange für uns arbeiten lassen. Hierzu müssen wir uns fragen: „Wie gut verzinst sich das Kapital im Unternehmen?“ und „Trifft diese Wertsteigerung unsere Erwartungshaltung?“. Sofern dies gegeben ist, sollten wir Aktien einfach weiter halten und sie nicht nach Kurssteigerungen verkaufen.

Deshalb ist Geduld beim Verkaufen mindestens genauso wichtig, wie beim Kaufen.

Der Erfolg hängt nicht nur von richtigen Analysen, sondern auch vom Mindset ab

Natürlich liegen wir nicht mit jeder Einschätzung richtig. Manchmal kaufen wir Aktien zu früh oder wir haben uns einfach verschätzt. Hier ist die Margin of Safety entscheidend. Sie bestimmt, wie weit wir daneben liegen können, bevor wir Geld verlieren.

Ich versuche hier gezielt auf Qualität zu setzen. Aus einem ganz einfachen Grund:

Diese Firmen werden jedes Jahr wertvoller, weil die Gewinne, Umsätze und Cashflows stetig wachsen und sich immer mehr Kapital in diesen Unternehmen ansammelt. Hier warte ich gerne und kassiere solange Dividenden.

Charlie Munger hat es hierzu einmal auf den Punkt gebracht:

„The big money is not in the buying and selling, but in the waiting” – Charles Munger

Ich muss einfach feststellen, dass gar nichts zu tun fast immer die richtige Entscheidung ist. Wir neigen dazu viel zu schnell Geld in Aktien zu investieren, die noch nicht günstig genug sind und diese Aktien zu schnell wieder zu verkaufen.

Hier sehe ich bei mir auch noch weiteres Entwicklungspotenzial.

Bist Du in der Lage die nötige Geduld mitzubringen?

Wenn Du (so wie ich) fundamental investierst, dann musst Du die Geduld mitbringen oder Du wirst bei Kursverfällen vermutlich die Notbremse ziehen und mit Verlust verkaufen. Viele Anleger nutzen vermeintliche Absicherungsstrategien, wie den Stop-Loss, um sich „abzusichern“.

Ich selbst nutze diese Methode nicht und halte von ihr beim Investieren absolut gar nichts. Für Trader ist sie allerdings unabdingbar.

Ich sichere mich der fundamentalen Sichtweise ab. Man kann Schwarz auf Weiß erkennen, ob eine Firma am Ende des Jahres mehr wert geworden ist, als zu Beginn des Jahres. Solange sich meine Investments in diese Richtung entwickeln bleib ich bei Kursverlusten ruhig. Ich versuche mich schon vorher auf eventuell fallende Kurse einzurichten, indem ich potenzielle Nachkaufschwellen festlege, die ich dann auch einhalte.

Solange die Firma stetig mehr Wert wird und das Geschäftsmodell in Takt ist, halte ich nichts von einem Verkauf.

3 Lesetipps, wenn Du noch ganz am Anfang stehst

Falls Du noch ganz am Anfang stehst, solltest Du dich zunächst umfassend informieren. Siehe hierzu meine Beiträge zu „Die besten Aktienbücher“ und „Wo kann ich mein Depot eröffnen“ und „Diversifikation

In diesem Sinne happy investing

Aktien kaufen

3 Comments. Leave new

So ein Zufall. Genau das habe ich mir schon einmal in meine ToDo-Liste für die Ziele 2019 aufgenommen. Dieses hektische Nachschauen der Kurse usw. will ich zukünftig auch vermeiden. Ich habe mir vorgenommen, pro Monat max. einen Kauf zu tätigen, in dem ich die Sparraten und Dividenden kombiniere. Hauptsache, die Kaufkosten sind unter einem Prozent und die Aktie ist für mich attraktiv bewertet. Dann warte ich ab bis zum Ende des Monats und schaue, ob ich Titel bei mir aufstocke oder neues dazu kommt. Von einer Asset Allokation lasse ich mich noch nicht so massiv beeinflussen. Tabakaktien haben aktuell knapp 20% in meinem Depot, ebenso Shell, ich weiß aber ganz genau, dass das in zehn Jahren schon anders aussieht. Das will ich jetzt konsequent durchziehen und ich erhoffe mir davon viel mehr Ruhe und Gelassenheit. 🙂
VG Markus

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    Hamsterradblog
    October 4, 2018 2:47 pm

    Hallo Markus,

    das ist ein toller Vorsatz, den ich mir (etwas anders, aber ähnlich) immer wieder vor Augen führe, damit ich konsequent bleibe.

    LG

    Chris

    Reply

Danke Chris, sehr gut das zum aktuellen Zeitpunkt wieder zu lesen 🙂 Merci. Philipp

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