Intrinsischer Wert nach Buffett:

Erklärung:

Intrinsischen Wert in 1 Minute abschätzen:

Für Buffett ist der innere Wert eines Unternehmens die (abgezinste) Summe an Geld, die aus dem Unternehmen über die Lebensdauer herausgezogen werden kann. Hierzu verwendet er die „Owners Earnings“. Als Ersatzgröße kann der freie oder verfügbare Kapitalfluss verwendet werden, der auf einschlägigen Finanzseiten aufgeführt ist. Der Vorteil hierbei: Unternehmen, die zwar hohe Gewinne vermelden, aber kein Geld verdienen fallen durchs Raster. Jetzt stellt sich nur noch die Frage: Wie erhält man einen geeigneten Kaufpreis?

Eine abgezinste Summe kann über klassische DCF-Verfahren errechnet werden. Das Verfahren ist zwar relativ bekannt, gehört jedoch wegen zahlreicher Annahmen und Schätzungen zu den komplexeren Bewertungsverfahren. In diesem Artikel gibt es für Interessierte weitere Informationen zu diesem Thema. Doch häufig ist es nicht notwendig hochkomplexe Verfahren zu verwenden. Der innere Wert ist ohnehin ein Konzept, dass nicht auf eine Nachkommastelle genau bestimmt werden kann. Vielmehr ist es lediglich eine Abschätzung. Für eine Abschätzung reicht eine einfache Überschlagsrechnung aus. Hierzu gibt es eine einfache Möglichkeit, die innerhalb einer Minute durchgeführt werden kann. Hierzu bestimmt man anhand der „Owners Earnings“ oder des freien Kapitalflusses, wie lange es theoretisch dauern würde, bis man den Kaufpreis in Form von „Owners Earnings“ oder des freien Kapitalflusses zurückerhalten hätte. Wenn man optimistisch für das Unternehmen ist, kann man noch eine jährliche Wachstumsrate mit einrechnen.

Hier ein Beispiel:

Für ein Unternehmen, das einen jährlichen freien Kapitalfluss von 1 Mrd. € hat und von dem wir erwarten, dass es kein weiteres Wachstum vorweisen kann, würde bei die Dauer bei einer Marktkapitalisierung von 10 Mrd. € genau 10 Jahre betragen (10 Mrd. € geteilt durch 1 Mrd. €). Erwartet man hingegen eine Wachstumsrate von 5% jährlich, dann würde diese Zeitspanne hingegen nur gut 7 Jahre betragen. Die Wachstumsraten kann man anhand von konservativen Schätzungen, dem Vergleich zur Historie oder Analystenschätzungen ableiten. Wenn man eine Anzahl von Jahren als maximale Dauer vorgibt kann der maximale Kaufkurs ermittelt werden.

Wie Buffett dieses Kriterium anlegt ist nicht bekannt. Deswegen schauen wir uns hier einfach einmal an, was bei den letzten großen Zukäufen mit dieser Überlegung herauskommt.

Apple:

Der freie Kapitalfluss in den letzten 3 Jahren lag im Mittel bei rund 57 Mrd. $ jährlich. Die ersten Anteile an Apple hat Buffett auf einem Kursniveau von 105-118$ eingesammelt. Bei einem Kurs von 118$ je Aktie lag die Marktkapitalisierung von Apple bei rund 620 Mrd. $. Nach dieser Rechnung würde es bei einem Wachstum von 0% etwa 10 Jahre dauern, bis das Unternehmen den Kaufpreis über den Cash wieder eingenommen hat (620 Mrd. $ / 57 Mrd. $). Unterstellt man eine Wachstumsrate von 6%, was in etwa der Analystenschätzung für Apple entspricht, dann sinkt diese Zahl auf 8 Jahre.

IBM:

Der freie Kapitalfluss von IBM lag in den letzten 3 Jahren im Schnitt bei 12,7 Mrd. $. Buffett’s Einstiegskurs bei IBM lag bei rund 170$ je Aktie. Dies entspricht einer Marktkapitalisierung von rund 160 Mrd. $. Bei einer Wachstumsrate von 0% würde es somit 12,6 Jahre dauern, bis das Unternehmen den Kaufpreis für die Aktionäre wieder verdient hat (160 Mrd. $ / 12,7 Mrd. $). Unterstellt man eine Wachstumsrate von 7%, was in etwa der Schätzung der Analysten entspricht, dann würde die Dauer lediglich 9 Jahre betragen.

Delta Airlines:

Der freie Kapitalfluss von Delta lag in den letzten 3 Jahren im Schnitt bei 3,8 Mrd. $. Buffett’s Einstiegskurs bei  Delta lag bei rund 45$ je Aktie. Dies entspricht einer Marktkapitalisierung von rund 32,9 Mrd. $. Bei einer Wachstumsrate von 0% würde es 8 Jahre dauern, bis das Unternehmen den Kaufpreis für den Aktionäre verdient hat (32,9 Mrd. $ / 3,8 Mrd. $). Unterstellt man eine Wachstumsrate von 4%, was in etwa der Schätzung der Analysten entspricht, dann würde die Dauer lediglich 7 Jahre betragen.

Fazit und Excel Rechner

Eine Abschätzung, ob eine Aktie günstig oder teuer ist kann grundsätzlich auch mit Kennzahlen, wie dem KGV und dem KBV durchgeführt werden. Jedoch ist diese Art der Bewertung höchst oberflächlich, da wesentliche Unternehmensaspekte ausgeblendet werden. Selbst ein Vergleich innerhalb einer Branche ist häufig nicht zielführend, da Unternehmen immer diverse Unterschiede aufweisen. Diese Form der Bewertung ist daher extrem anfällig für Fehler und diese Kennzahlen sind daher lediglich gut geeignet, um das Unternehmen mit sich selbst zu vergleichen (historische Vergleichswerte).

Für Buffett ist heute der Ertrag des Unternehmens entscheidend, mit dem er für die künftigen Jahre und Jahrzehnte rechnen kann. Mit dieser Form der Bewertung werden alle Unternehmen nach einem einheitlichen Standard bewertet. Die Bewertungsform ist ein wenig aufwändiger, aber auch deutlich belastbarer, als lediglich ein bis zwei Kennzahl in einem Finanzportal anzuschauen. Wann genau Buffett ein Unternehmen als kaufenswert erachtet bleibt sein Geheimnis. Aus den aktuellen Käufen kann man jedoch vermuten, dass er erwartet, dass das Unternehmen in weniger als 10 Jahren seinen Kaufkurs wieder verdienen muss. Mit diesem Excel-Rechner kann dies in wenigen Sekunden durchgeführt werden. Für ambitionierte Investoren sind zudem weitere Bewertungsverfahren, wie das DCF-Verfahren interessant.

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